Ostermarsch Traunstein 2021 im lifestream auf you tube: https://www.youtube.com/watch?v=NH5w-_Sz2V0

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Bereits seit 2019 steuern wir auf eine neue Wirtschaftskrise zu. Der Coronavirus, aber auch die Klimakatastrophe verschärfen  die Folgen für große Teile der Menschheit. Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Statt in Gesundheit, Impfstoffe für Alle, Bildung, ökologische Landwirtschaft, erneuerbare Energien und Armutsbekämpfung zu investieren, wird vom deutschen Bundestag ein Rüstungshaushalt von 53 Milliarden Euro genehmigt, Auslandseinsätze (Afghanistan, Mali; Kosovo…) verlängert, neue Rüstungsprojekte, wie bewaffnungsfähige Drohnen und atomar bestückbare Bomber in die Wege geleitet, aber auch teilautonome Kampfsysteme entwickelt. Die aktuellen Krisen verschärfen die dem Kapitalismus innewohnende Konkurrenz um Vorherrschaft: Um Absatzmärkte und Transportwege zu sichern, Flüchtlingsströme abzuhalten wird auf militärische Gewalt gesetzt.

Hinter Krieg und Krise steht das Kapital. 

Weltweit fliehen derzeit über 79,5 Millionen Menschen vor den Kriegen in Syrien und Afghanistan, Jemen, Somalia, Sudan, Mali, vor politischer, ethnischer, sexueller Verfolgung, Hunger und Elend und den Folgen des Klimawandels. Europa schottet sich ab, verlagert die Probleme in die Türkei, nach Bosnien, nach Libyen und an andere Orte an den Außengrenzen. Unter menschenunwürdigen Bedingungen vegetieren die Geflüchteten in Lagern, z.B.  Moria in Griechenland oder in Foltergefängnissen in Libyen. Der Brand im überfüllten Lager Moria im September 2020 war trauriger Höhepunkt der desaströsen Flüchtlingspolitik der EU. Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, die nichts anderes kennen als Jahre von Krieg, Hunger und Not.
Während das Ertrinken im Mittelmeer weitergeht kriminalisieren die EU-Mitgliedsstaaten die Seenotrettung weiterhin. Statt der Menschenrechtscharta gerecht zu werden und die Menschen zu retten, rüstet die EU die Grenzschutzbehörde FRONTEX auf.

Krieg ist das größte Verbrechen! Migration ist kein Verbrechen!

Bereits hier lebende Geflüchtete leiden jahrelang unter fehlenden Perspektiven, Repressalien (AnkER-Zentren, „Gesetz zur geordneten Rückführung“, Arbeits- und Ausbildungsverbote) und der Androhung von Abschiebungen, die regelmäßig auch in die Krisenregion Afghanistan stattfinden. Viele haben aus Verzweiflung Selbstmord begangen.
 Wir fordern für Geflüchtete: Stoppt Abschiebungen! Chancen durch Arbeit und Ausbildung!

Das Ökosystem Erde ist ein komplexes Zusammenspiel unzähliger Faktoren, alles hängt zusammen, doch der Mensch am oberen Ende der Nahrungskette ist im Begriff dieses Gleichgewicht unwiderruflich zu zerstören. Einmal aus dem Gleichgewicht, bleibt uns nicht viel Zeit zu reagieren. Naturgewalten unkontrollierbaren Ausmaßes werden weltweit zunehmen und zu unermesslichem Leid und Zerstörung führen. Als Folge könnten große Migrationsströme das Konfliktpotential um verbleibende Lebensräume weiter erhöhen.
Industriestaaten entziehen sich ihrer Verantwortung den Umweltschäden, die durch den Ausstoß von Treibhausgasen und Umweltverschmutzung entstanden sind, entgegenzuwirken und betroffenen Ländern effektiv zu helfen.

Solange wir abhängig von endliche Ressourcen sind, werden mit deren Zuneige gehen auch die Kriege um Wasser, Öl und Lebensraum zunehmen. Deshalb ist ein schneller Wandel hin zu erneuerbaren Energien und Kreislaufwirtschaft, unerlässlich für ein friedlicheres und konfliktfreieres Leben auf dem Planeten. Das wohlhabende, hochentwickelte Deutschland muss hierbei eine Vorreiterrolle einnehmen.

Wir fordern Fight every Crisis! Die Klimakrise ist eine Krise von nie dagewesenem Ausmaß, sie verstärkt nahezu sämtliche Ungerechtigkeiten weltweit und birgt ein enormes Konfliktpotenzial. In den nächsten Jahren entscheiden wir weltweit über die Zukunft und das fortbestehen unserer Welt, dieser Aufgabe müssen wir uns gemeinsam und friedlich als Weltgemeinschaft stellen.

Die Industrialisierung der Landwirtschaft hat dazu geführt, dass die Bodenqualität der Agrarflächen stetig gesunken ist. Verdichtet, vergiftet, verschwunden, vernichtet. In Deutschland wird dieser Trend gesteuert durch jährlich ca. 58 Milliarden Euro, da diese jedoch größtenteils pro Fläche vergeben werden, ohne Berücksichtigung der Bewirtschaftungsstandards, fördert dies das Sterben kleiner Höfe und bremst eine dringend notwendige Agrarwende aus. Die Landwirtschaft ist mit weltweit etwa ⅓ der Treibhausgasemissionen sowohl Verursacher, als auch betroffen von der Klimakrise, verantwortlich dafür sind vor allem die industriellen Großbetriebe, Massentierhaltung, Monokulturen, Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel haben verheerende Auswirkungen auf die Wasserqualität, Böden, Flora und Fauna.

Deshalb fordern wir eine Wende der Agrarpolitik, die Kopplung aller Fördergelder an Umweltschutzstandards, Bodenschutzmaßnahmen, Insektenschutz und Artenvielfalt, für eine zukunftsfähige Landwirtschaft, frei von Genmanipulation, Gift und Zerstörung.

Ob im direkten Setting bei sogenannten Querdenker-Demos oder in sozialen Medien – die Wahl der Worte und das Spiel mit Kampfvokabeln wird immer salonfähiger. Begrifflichkeiten, die hierbei genutzt werden, sind häufig Kampfbegriffe der AFD und anderen rechten Gruppierungen. Die bewusste Enthemmung bei der Wahl der Worte, die hierbei stattfindet, hat ein neues erschreckendes Niveau angenommen. Dieser Trend ist deswegen so gefährlich, weil diese aggressive Rhetorik häufig mit rassistischen, antisemitischen und xenophoben Parolen durchwirkt ist. Die Ängste von Menschen sollen bewusst getriggert werden. Die Coronakrise verschärft diesen Trend, da viele Menschen noch mehr mit Existenzängsten belastet sind.

Die Spirale der Gewalt, von der verbalen Gewalt bis zur tatsächlichen Gewalt, dreht sich immer schneller. In den letzten zwei Jahren mussten wir erleben, wie Repräsentanten des Staates, das Judentum, der Islam, Migrant*innen und Andersdenkende Opfer rechter Gewalt wurden. Nach dem rechtsextremen Anschlag in Hanau am 19. Februar 2020 zieht die Autorin Jagoda Marinić diese Bilanz: „Wir sind jetzt bei 10 Toten an einem Tag. Der NSU hat zehn Jahre gebraucht, um zehn Menschen zu ermorden.“ Diese Tatsache sollte uns aufrütteln, denn es sind geistige Brandstifter, die der tatsächlichen Gewalt vorausgehen!

Es ist Zeit, eine rote Linie zu ziehen! Lassen wir nicht zu, dass dieser Prozess fortgesetzt wird und stehen auf:

Für ein friedliches und vielfältiges Miteinander!

Grußwort von

Konstantin Wecker

zum Ostermarsch am 03.04.2021 in Traunstein

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ostermarsch in Traunstein!
Meine geliebten Eltern wurden von der Weltwirtschaftskrise 1929 als Kinder gebeutelt, dann mussten sie unter der schrecklichsten Diktatur leiden – ja sie mussten leiden, denn sie waren keine Faschisten und standen nicht stramm als junge Menschen mit verzückten Gesichtern vor all den unappetitlichen Menschenschlächtern – und dann durchlitten sie den 2 Weltkrieg.
Und verbitterten nicht bei all dem Leid, das ihnen in ihren so jungen Jahren widerfahren ist.
Täglich sterben immer noch tausende Kinder, weil sie in Kriegsgebieten leben, auf Minen treten; sie bekommen keine Schulbildung online, haben kaum was zu futtern und wir verwöhnten Westler – 75 Jahre von Kriegen verschont, Kriege, die wir aus reiner Geldgier in die Welt hinausgetragen haben – drehen durch, wenn wir mal nicht so feiern können, wie wir es jahrzehntelang gewohnt waren.
Corona ist für viele auch hier eine Plage, ganz sicher, aber jeder beschissene Krieg auf unserer Erde, auch der Krieg, den wir gegen unsere Erde führen und all ihre tierischen und pflanzlichen Mitbewohner, ist doch eine unvergleichlich größere Plage.
Und dennoch verzeichnen Heckler und Koch und Konsorten exorbitante Umsatzgewinne in diesen Zeiten und das sicher nicht, weil diese Vernichtungsmaschinen, die sie produzieren und verkaufen, dann eingeschrottet werden. Sondern weil sie eingesetzt werden gegen Menschen, zur Vernichtung von Leben und weil sie weltweit Hunger und Elend nach sich ziehen.
Aber immer schön woanders, natürlich nicht in dem Land, in dem diese Waffen hergestellt werden.
Und selbst hier, in unserem Land, wo die Rüstung weiter finanziert wird und all die großen systemrelevanten Konzerne, wo mit Milliarden geradezu um sich geschmissen wird, kümmert sich unsere Politik nicht wirklich ernsthaft um die Alten, Kranken, Obdachlosen und Geflüchteten, die Dementen und Behinderten, um die Gefängnisinsassen, die seitlich Umgeknickten und Verrückten – wie es der große Hanns Dieter Hüsch einst so treffend sagte – um all jene, die so dringend unserer Nähe und Solidarität bedürfen, Berührung und Umarmung. Wieviel einsame Menschen sterben wohl an der sozialen Isolierung noch zusätzlich zu denen, die direkt an Corona versterben? Dabei gäbe es Konzepte, wie wir soziale Kontakte durchführen könnten sich selbst und andere vor Ansteckung schützend. Nur dafür sind keine Testkapazitäten und kein Geld da. Es steckt bei Audi und der Lufthansa und bei wirecard und bei BlackRock, diesem Verbrecherverein, dem Friedrich Merz so treu verbunden ist.
Und es steckt natürlich bei Heckler und Koch und den Komplizen dieser Mordmaschinen Hersteller.
Und da sind wir wieder beim Thema von heute:
Schluss mit allen Rüstungsexporten!
Der Aufrüstungswahn muss beendet werden!
Keine Beihilfe zu den US-Drohnenmorden!
Endlich Lockdown für Rüstung und Militär!
Konstantin Wecker

Traunstein for future

zum Ostermarsch Traunstein:

Wir rufen ALLE GENERATIONEN dazu auf, mit dabei zu sein.