Eindrücke, Reden und Fotos vom Ostermarsch 2018

Ostermarsch in Traunstein mit mehr als 200 Teilnehmern – Kritik an Rüstungsexporten und Abschiebungen

Umrahmt von Geschichten, Berichten von Flüchtlingen und von Musik erfreute sich der Ostermarsch der Friedensinitiative Traunstein-Traunreut-Trostberg heuer einer hervorragenden Resonanz. Gut 220 Teilnehmer wurden gezählt, die am Samstag zur Kundgebung am Stadtplatz in Traunstein gekommen sind. Neben den vorgesehenen Rednern – Dr. Renate Schunck von der Friedensinitiative, Bezirkstagskandidatin Manuela Pertl von den Linken, Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl und Gertraud Gafus von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft – kam noch ganz überraschend Bruder Jeremias vom Kapuzinerkloster Altötting dazu, in dem afghanische Flüchtlinge betreut werden. In seiner kämpferischen Rede, die immer wieder von Beifall unterbrochen wurde, kritisierte er, dass derzeit Politik auf Kosten der Ärmsten der Armen betrieben werde. Den Auftakt der Kundgebung bildeten zur Thematik passende Geschichten der Erzählerin Annette Hartmann, umrahmt von Musik und Liedern eines afrikanischen Trommlers und Musikers.

Dr. Renate Schunck, die Vorsitzende der Friedensinitiative, freute sich über den hervorragenden Besuch und nicht zuletzt auch darüber, dass sich dieses Jahr so viele unterschiedliche Gruppen, Organisationen und Parteien beteiligt haben. Erstmals beziehungsweise seit langem wieder dabei waren die Grünen und die Landwirtschaft, konkret die AbL, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Der Naturschutz, die Agrarindustrie, TTIP oder die Sorge um Geflüchtete: Diese Themen bringen die Menschen zusammen, sagte Renate Schunck – und so gelte der von der landwirtschaftlichen Seite formulierte Slogan, dass „alles irgendwie zusammenhängt“. Die Profitmaximierung einzelner schrecke nicht zurück vor der Zerstörung der Lebensgrundlage der meisten Menschen, vor der Ausbeutung der Arbeitskraft und Gesundheit der Arbeiter, vor der Zerstörung von Natur und Umwelt.

Renate Schunck fand deutliche Worte: „Wir wehren uns dagegen, dass die deutsche Bevölkerung wieder Kriegsfähig gemacht werden soll. Wir wehren uns, dass sich unsere Politiker nicht an ihre eigenen Gesetze und Worte halten und Waffen weiter an die Türkei liefern. Kritik übte sie auch an der „sogenannten Solidarität“ europäischer Länder, die wegen des Giftanschlags Sanktionen gegen Russland ergreifen, obwohl nichts bewiesen sei. Die britische Regierungschefin berufe sich dabei auf Informationen ihrer Geheimdienste. Diese hätten aber auch 2002 die angeblichen „Beweise“ dafür geliefert, dass Sadam Hussein weiterhin im Besitz von Chemiewaffen wäre. Dies war dann der Vorwand für die britische Regierung, mit den USA den Angriffskrieg gegen den Irak zu führen. Jahre später stellte sich das Beweismaterial MI6-Fälschungen heraus: „Wir lassen das nicht zu dass hier wieder mit dem Feuer gezündelt wird“, so Schunck.

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„Wir engagieren uns“, betonte Gertraud Gafus, „weil uns das nicht wurscht ist“: Und dann zählte sie all die Themen auf, die der engagierten AbL-Landesvorsitzenden nicht „wurscht“ sind: Dass Bauern in Brasilien von ihrem Land vertrieben werden, um dort Soja für die Schweinezucht in Europa anzubauen. Dass sich europäische Konzerne das Trinkwasser „unter den Nagel reißen“. Dass den jungen Bauern vom ersten Schultag an eingetrichtert wird, möglichst viel zu produzieren. Dass man sich jedes Jahr neue Kleidung kauft, nur weil die Farbe nicht mehr aktuell ist. Und sie hatte auch noch einen Satz zur Flüchtlingsproblematik parat: Es könne und dürfe nicht sein, rief sie den Besuchern zu, dass Söder und Seehofer die Armen gegen die noch Ärmeren ausspielen.

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Gisela Sengl stellte in ihrer Rede fest, dass die Menschen in Europa „wie auf einer Insel der Glückseligen“ lebten, nämlich in Frieden, aber, so betonte sie, „wir sind trotzdem mit dafür verantwortlich, dass andere Länder Kriege führen, vor allem durch unsere Rüstungsexporte“. Die Landtagsabgeordnete ging in ihre Rede vor allem auf die Frauen und Kinder ein. Zwar würden die Konflikte stets von Männern angestiftet. Die Hauptopfer in allen Konflikten seien aber die Frauen: als Mütter, als Angehörige der Soldaten und als Opfer, „weil sie Frauen sind und damit sexueller Gewalt ausgesetzt sind“. Da Frauen in den meisten Gesellschaften eine besondere Verantwortung für die Kinder übernähmen, müssten sie andere Strategien als die Männer entwickeln, nicht Geld und Gewalt als Druckmittel, sondern Toleranz und Geduld. Daher sollten Frauen auch deutlich mehr als bisher an Verhandlungen über Frieden oder Waffenstillstand eingesetzt werden – so wie es die UN-Resolution 1325 fordere, um deren Umsetzung sich aber niemand kümmere.

Manuela Pertl von den Linken stellte fest, dass die Schere zwischen arm und reich immer mehr auseinander klaffe, dass Rentner oft ihr Leben nicht mehr finanzieren können und im Niedriglohn-Sektor Beschäftige oft nicht wissen, wie sie ihre Familie über den Monat bringen sollen. Hartz-IV-Empfänger würden gedemütigt, Flüchtlinge seien Schikanen ausgesetzt, notleidende Menschen würden gegeneinander ausgespielt. Dies und manch andere Missstände mehr zu thematisieren und gegen sie zu kämpfen: Das sehe die Partei Die Linke als ihre Aufgabe.

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Der Frieden werde durch die aktuelle Politik nicht gerade gefördert, meinte Bruder Jeremias vom Altöttinger Kapuzinerkloster zu Beginn seiner Rede. Aufgrund von Äußerungen eines AfD-Politikers, die folgenlos geblieben seien, sei es offenbar so, dass man in Deutschland „ungebremst rassistische Aussagen machen“ darf. Dies zeige, dass in Deutschland die Würde des Menschen scheinbar wieder ungestraft antastbar ist: „Das ist politisch motivierter Rassismus – den dürfen wird nicht zulassen.“

Dann widmete sich der Altöttinger Ordensmann dem neuen bayerischen Ministerpräsidenten und dessen Aussagen: „ Herr Söder spricht davon, dass es rechts von der CSU keine demokratisch legitimierte Partei geben darf.“ Da frage er sich schon, so Bruder Jeremias, ob ihm nicht klar ist, „dass man Fische am rechten Ufer nur dann angeln kann, wenn man auch dort steht“? Und dann verlange Söder auch noch, ein Bekenntnis zum Christentum in der bayerischen Verfassung zu verankern. Dabei, so der Pater, sollte die CSU besser das „C“ in ihrem Namen streichen: „Denn das, was hier in Bayern und mittlerweile auch im Bund durch die C-Parteien passiert, hat nun wirklich nichts mit Nächstenliebe und Jesu Botschaft zu tun“. Mit einer Verankerung des Christentums solle lediglich ein Grundgesetz geschaffen werden, „auf dem Politiker schon lange nicht mehr stehen“.

Daran ändere auch die Tatsache nichts, dass nun in allen staatlichen Gebäuden und Behörden Kreuze aufgehängt werden sollen: Das sei nichts weiter als „säkulares Stammtisch-Christentum, das politisch missbraucht wird“. Jesus habe schließlich „nicht verunglimpft, nicht gespalten, war nicht rassistisch und hat nicht anderen Angst gemacht“.

Auch der neue Innenminister Seehofer, so Pater Jeremias weiter, versuche permanent am rechten gesellschaftlichen Rand zu punkten; auch dies habe nichts mehr mit christlichen Werten zu tun: „Seehofer sät und säte Ausländerfeindlichkeit, und die Ernte scheinen AfD und Co. einzufahren.“ Seehofer reiße Brücken ein, spalte die Menschen und hetze sie gegeneinander auf: „Es ist eine Schande, was hier von Bayern aus an Politik geschieht.“ Und es sei unverständlich, wie Politiker zulassen können, dass deutsche Panzer in Krisengebiete geliefert werden: „Das ist Kriegstreiberei und Hilfe zur Unterdrückung anderer Kulturen.“ Abschließend meinte Bruder Jeremias, die Werte Europas müssten sich daran bemessen lassen, „wie wir mit Menschen umgehen, die in Not sind“.

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Nach den Reden formierte sich ein langer Demonstrationszug durch die Traunsteiner Innenstadt mit Musik, Durchsagen und vielen Transparenten. Bei einem Halt am Landratsamt erzählte ein aus Afghanistan geflüchteter Mann in einem Lied von seiner Flucht. Und ein Vertreter des Vereins „matteo – Kirche und Asyl“ schilderte den Fall eines Flüchtlings, der von Niederbayern aus nach Italien abgeschoben worden war und letztlich an einer schweren Krankheit, die nicht behandelt worden war, gestorben ist.

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Am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus vor der Kirche St. Georg und Katharina wurden Kerzen für all die vielen namenlosen Tote aufgestellt, die durch ungerechte Wirtschaftsbedingungen, durch Krieg und Verfolgung, in Afrin, auf der Flucht über das Mittelmeer, hierzulande durch Abschiebung ums Leben gekommen sind. Der evangelische Pfarrer Barthel Pichlmeier stellte dabei fest, es sei schlimm, dass sich die Gesellschaft an die Ungerechtigkeit, an die Abschiebungen und Ausgrenzungen allmählich gewöhnt habe und dass die, die sich für fairen Handel, Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, immer mehr belächelt würden. Bedauerlicherweise sei auch von den Kirchen „selten lauter Protest zu hören“. Dabei sei die zentrale Botschaft jeder Religion die Versöhnung der Menschen untereinander und der aktive Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden.

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Dank an Hans Eder für seinen Bericht

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