Online-Vortrag von Robert Andreasch vom 29.04.2021 zum Thema: Antisemitismus – Verschwörungsdenken – Anschläge: Pandemieleugner_innen in München und Bayern

Am 8. Mai 2021, dem Tag der Befreiung vom Faschismus plant Querdenken Traunstein, gemeinsam mit Querdenken Nürnberg und BGL Steht auf eine Demo in Traunstein. Aus diesem Anlass sah das Ostermarschbündnis 2021 die Notwendigkeit im Rahmen eines Online-Vortrags über die breite Bewegung der Corona-Leugner zu informieren und konnte mit Robert Andreasch einen äußerst kompetenten Experten gewinnen.

Robert Andreasch ist Journalist und Experte für Rechtsextremismus und beobachtet seit über einem Jahr die Bewegung der Pandemieleugner_innen. Anhand von Screenshots der Online-Kanäle der Bewegung sowie umfangreichen Bildmaterials von Demonstrationen und Kundgebungen  beschrieb der Referent sehr anschaulich die Ausrichtung der Pandemieleugner_innen, aber auch das Vorgehen der rechtsextremen Szene in Zeiten dieser Krise.

Laut Andreasch sind die Pandemieleugner_innen eine politische Bewegung, die viele Leute auf der Straße und Online mobilisiert. Eine breite Masse der Bevölkerung zeige Interesse an Verschwörungstheorien. (Zitiert wurde hier aus der Mitte-Links-Studie der Friedrich-Ebert Stiftung).  Die inhaltliche Ausrichtung der Bewegung zeige einerseits rechtspopulistische Themen und andererseits Verschwörungstheorien.

Die rechtsextreme Bewegung habe schon immer wieder darauf hingewiesen, Krisen nutzen zu wollen (Zitiert wurde hier aus dem Buch von Götz Kubitschek). Die  „Corona-Krise“ wird dabei genutzt, um rechte Ideologien auf die Straße zu bringen. Zum einen werde provoziert mit Sprüchen wie: „Merkel ist schlimmer als Hitler“ oder abstruse „Fake-News“ verbreitet wie: „Merkel ist Hitlers Tochter“, zum anderen werde der Nationalsozialismus verharmlost. Begriffe würden oft umgedeutet und Symbole der Friedensinitiativen und Religionen verwendet. Auch würde oft Bezug auf die Antifaschistische Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ genommen und zum Beispiel Flugblätter in den Lichthof der LMU München geworfen, um für eine Anticorona-Veranstaltung zu werben.

Die Bewegung der Pandemieleugner_innen wird u.a. durch die Impfgegnerbewegung unterstützt. Propagiert werde u.a., dass Impfungen ein „Angriff auf Gehirn und Seele“ sei,

oder der Impfstoff im Sinne einer antijüdischen Verschwörungstherorie  eine „Plandemie“ der Juden sei, um die Menschen zu vergiften.

Andreasch ging auch auf den Antisemitismus der Bewegung der Pandemieleugner_innen ein. Neben der Relativierung des Nationalsozialismus werden durch Verwendung des Judensterns bei Demos, Sprüchen wie „Impfung macht frei“ oder „Maske macht frei“ Symbole des Hollocaust benützt und verdreht. Diese werden als Bildmontagen von Fotos des Eingangstores zum KZ in Dachau über Telegram Kanäle ohne Widerspruch verteilt. Auf einem anderen Telegrameintrag findet sich eine weitere Bildmontage: Hier wird auf der Zuglinie in das KZ Ausschwitz eine Herde Schafe getrieben, das Eingangsgebäude ist mit „Impfzentrum“ überschrieben. Mit einer weiteren „Fake-News“ wird behauptet, Impfungen seien die Erfindung der Juden und somit offener Antisemitismus transportiert.

Andreasch beobachtet, dass die Szene der Pandemieleugner_innen aggressiver wird. Es komme vermehrt zu Hetze gegen Medien, die als „Lügenpresse“ bezeichnet wird und auch tätlichen Angriffen auf Journalist_innen, zu Andeutungen und Drohungen von Gewalt. So kursiere z.B. im rechten Livestreamen eine „Todesliste deutscher Politiker“ und „Hoffnung auf Militärputsch“ werde geweckt, wenn die Gruppierung BGL Steht auf mit Transparenten vor der Kaserne in Bad Reichenhall die Bundeswehr aufruft, die Kinder und deren Rechte zu verteidigen.

Auch sei es bisher schon zu 3 Anschlägen gekommen; Schüsse auf ein Impfzentrum, Brandanschlag auf ein Testzentrum und ein Anschlag auf eine ICE-Strecke.

Im Rahmen der anschließenden Diskussion ging Andreasch u.a. eingehend auf die Frage „Wie kann man mit Pandemieleugner_innen umgehen“, ein.

Laut Andreasch sei eine Diskussion mit Pandemieleugner auf Grund der Verschwörungsideologie schwierig. Es sei wichtig auf die aktuelle Wirtschaftskrise, die durch die Pandemie befeuert wird, hinzuweisen und sich für eine bessere Gesundheitspolitik einzusetzen. Die Pandemieleugner_innen würden nicht solidarisch handeln und durch Ablehnung der Hygieneregeln das Ansteckungsrisiko nachweislich erhöhen. Der Referent sieht die Dringlichkeit, sich für diejenigen, die am meisten unter der Pandemie leiden, zu engagieren. Man müsse die Szene der Pandemieleugner_innen ernst nehmen, es bestehe die Gefahr, dass sich einige der Bewegung radikalisieren und weitere Anschläge verübt werden.

Dass die Querdenker Demo in Traunstein am 8.Mai – dem Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus – stattfinden soll, passe zum Verharmlosen des Nationalsozialismus und der Täter–Opfer-Umkehr.

Für das Ostermarschbündnis 2021, in der etliche Parteien, Gewerkschaften, Flüchtlingsinitiativen, Klimaaktivisten und die Friedensinitiative organisiert sind, ist dies eine unerträglicher Affront und ruft zu einer Gegenkundgebung am Stadtplatz auf:  Gegen die Querdenkenbewegung, ihre unsachlichen Äußerungen, Vorgehensweisen und die faschistische Akzeptanz der Bewegung. Für eine solidarische und effektive Bekämpfung der Pandemie.

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